<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>the highbrow and the hooligan</title>
	<atom:link href="http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.falkenderlein.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Mon, 14 May 2012 18:30:18 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Kill The Fucking Wolf</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=316</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=316#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 May 2012 18:22:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=316</guid>
		<description><![CDATA[
Quaxlibraxi träumt und schwitzt. Später wird er erzählen, sein Traum habe von Schrödingers Katze gehandelt (jener, dir gleichzeitig tot und lebendig ist) und danach von &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2012/05/ktfw.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2012/05/ktfw.jpg" alt="" title="ktfw" width="688" height="439" class="aligncenter size-full wp-image-317" /></a></p>
<p>Quaxlibraxi träumt und schwitzt. Später wird er erzählen, sein Traum habe von Schrödingers Katze gehandelt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schrödingers_Katze">(jener, dir gleichzeitig tot und lebendig ist)</a> und danach von einer klamottentechnischen Nacht der langen Messer: Alle Jack-Wolfskin- und Northfaceträger seien verhaftet und erschossen worden. Danach sei auf einmal herrlich Platz gewesen in Deutschland, wird Quaxlibraxi berichten. Also im Deutschland seines Traums, meine ich &#8230;</p>
<p>Ich habe schon einige Nächte am Bett des kranken Quaxlibraxi verbracht, das verschwitzte Bettzeug gewechselt, ihm die Stirn abgetupft und darauf geachtet, dass die Petroleumlampe auf dem Nachttisch nicht herunterbrennt.</p>
<p>Den Beamer, das Material über Höhlenzeichnungen, gerade und schiefe Linien, die Kunst der letzten 10.000 Jahre und all den anderen Kram habe ich in der allerdunkelsten Ecke zusammengeschoben – sofort als das Fieber begann. Es geht nun schon seit drei Tagen so und der vierte beginnt gerade. Die Sonne geht hinter den Gründerzeitfassaden mit einer Gewalt auf, die an eine Feuersbrunst denken lässt. Ein einzelner Sonnenstrahl (wahrscheinlich exakt der gleiche, der schon Julius Cäsar die blutende Wunde beleuchtete, als er mit latentem Desinteresse murmelte: &#8220;Ähm, auch du, mein Sohn Brutus &#8230;&#8221;) – denn hat ein Sonnenstrahl ein Ende, bis zu jenem Augenblick, in dem die Sonne implodiert? Also e.x.a.k.t. dieser Sonnenstrahl kitzelt Quaxlibraxis Nase und bringt ihn ganz lazarusig ins Leben zurück. Plötzlich sitzt er aufrecht im Bett und verlangt nach Spiegelei, Kidneybohnen und Bacon. Drei Riesenportionen angelsächsischer Delikatessen später wischt er sich das Fett von den Lippen und fragt mit zärtlicher Stimme an, ob wir nicht ein wenig Konversation treiben könnten.</p>
<p>&#8220;Worüber möchtest du sprechen? Die westliche Kultur und alles Geometrische stehen für die nächste Zeit auf dem Index. Vergiss das nicht&#8221;, sage ich. Quaxlibraxi fährt sich nachdenklich durch den Bart, der rasputinsche Dimensionen angenommen hat und trägt dann vor: &#8220;Gäbe es den ultimativen Weltverbesserungsbutton, würdest du ihn drücken?&#8221; Er fixiert mich mit steely-blue-eyes, obwohl er eigentlich braune hat. Ich weiß, was er meint, versuche aber, mich um eine direkte Antwort zu drücken. Quaxlibraxi erläutert: &#8220;Angenommen, irgendein schlauer Kerl – beispielsweise ganz bescheiden ich – errechnete ein absolut gerechtes Gesellschaftssystem für unseren Planeten, erste, zweite und dritte Welt versöhnend, Fair Trade ohne jede Ausnahme, die Abschaffung der Ausbeutung, die große Nivellierung &#8230; und gäbe es dann noch einen mächtigen Weltdiktator, der das alles unblutig durchsetzen könnte, würdest du das dann wollen, selbst wenn es bedeutet, dass du in einer Holzhütte mit Plumpsklo leben, ohne warmes Wasser, dafür mit Kakerlaken und ernährungstechnisch einzig und allein mit selbst angebauten Kartoffeln auskommen müsstest, wenn du dir jedes Jahr nur ein Buch leisten könntest, wenn Internet auf eine Stunde am Tag rationiert wäre und du den Strom dafür selbst mit einer Kurbel erzeugen müsstest, wenn du nur einmal im Jahr in den Urlaub fahren könntest und selbst dann nur bis nach Leipzig, würdest du das unterstützen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich müsste dringend ein paar weitere Parameter kennen, um etwas von diesem Ausmaß entscheiden zu können&#8221;, versuche ich Zeit zu gewinnen.</p>
<p>&#8220;Lass uns einen Spaziergang machen&#8221;!&#8221; Quaxlibraxi wirft sich in seinen mit Fantasieorden besetzten pinkfarbenen Bademantel, kombiniert das mit polnischen Reitstiefeln und schon sind wir draußen. Temperatur, Licht- und Luftverhältnisse lassen keinen Zweifel daran, dass ein sehr heißer Tag droht. Das Schild von gegenüber (&#8220;Germanischer Hairdresser Of The Year&#8221;) blendet mich und ich bereue, meine Sonnenbrille nicht mitgenommen zu haben.</p>
<p>&#8220;Kennst du eigentlich <em>Null-Dezibel-Tourette</em>?&#8221; fragt mich Quaxlibraxi und schiebt sich seine Ray Ban – an die <em>er</em> vorsorglich gedacht hat –noch ein Stück dichter an die Pupillen heran.<br />
&#8220;Null-Dezibel-Tourette – was soll das sein?&#8221;<br />
&#8220;Wenn man zum Beispiel schöne Frauen trifft, auf einem Spaziergang wie diesem, und wenn dann das Gehirn wildeste Obszönitäten in Bruchteilen von Sekunden ausbrütet, was man alles, wenn man könnte, wie man wöllte &#8230; und wenn man Zunge und Stimmbänder wirklich gerade im allerletzten Moment daran hindern kann, diese Obszönitäten angereichert mit geifernden Spuckefäden in die hübschen Gesichter zu schmettern, so knapp, dass man noch eine halbe Stunde überlegt, ob man <em>es</em> nun gesagt hat oder nicht.&#8221;<br />
&#8220;Nein, kenne ich nicht&#8221;, lüge ich.</p>
<p>Wir laufen eine Weile schweigend nebeneinander her. Wenn man morgens um sieben die Elbe via Marienbrücke überquert, kann man verstehen, dass gewisse Touristen Fort Mutschmann ausreichend attraktiv finden, um sich in klimatisierten Reisebussen herkutschen zu lassen.<br />
&#8220;Ich denke&#8221;, sagt Quaxlibraxi, &#8220;das einzige Relevante im Leben ist, dass man eine gewisse Plausibilität der Lebensführung erreicht und/oder nicht verliert, dass man sich in dem wuchtigen Gebilde aus Geschichte, Ahnenreihe, Kultur und Zeitgeist weder über &#8211; noch unterschätzt, die richtigen Prioritäten setzt, Blendwerk aussortiert, dass man den mexikanischen Volksdichter wieder und wieder liest, wenn man ihn einmal für wesentlich erkannt hat – statt wie alle anderen unter multiplen Orgasmen zu verenden, nur weil das neue iPad noch flacher ist.&#8221;</p>
<p>An den Elbwiesen funkelt der Müll der Plastic-Party-People-Party (P.P.P.P) diamantengleich in der Sonne. &#8220;Vergiss die Scheiße, die ich gerade erzählt habe&#8221;, sagt Quaxlibraxi und entlockt seinem Kehlkopf einen Rülpser, der die Elbe hinauf bis nach Hamburg gleiten und dort empfindlich das morgige Biowetter massiv beeinflussen wird.</p>
<p><em>&#8230; to be continued.</p>
<p>Abbildung: Domenico Ghirlandaio &#8220;Resurrezione del fanciullo&#8221; (1485)</p>
<p>Kill The Fucking Wolf-Zitat: copyright by Lebanon Hanover (2012)</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=316</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>The Edges Are No Longer Parallel</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=297</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=297#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 15:28:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=297</guid>
		<description><![CDATA[
Quaxlibraxi hat sich auf einen Berg von Büchern zurückgezogen, sein Beamer wirft im Drei-Sekunden-Takt wechselnde Bilder an die Wand: krakelige Strichmännchen mit Speeren rennen expressionistischen &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2012/03/bohemia_sw.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2012/03/bohemia_sw.jpg" alt="" title="bohemia_sw" width="688" height="439" class="aligncenter size-full wp-image-320" /></a></p>
<p>Quaxlibraxi hat sich auf einen Berg von Büchern zurückgezogen, sein Beamer wirft im Drei-Sekunden-Takt wechselnde Bilder an die Wand: krakelige Strichmännchen mit Speeren rennen expressionistischen Zebras hinterher. Nahezu alle Indizien in diesem Zimmer sprechen dafür, dass Quaxlibraxi diesen Ort seit Tagen nicht verlassen hat. Sauerstoff ist abwesend und spiralenförmig im Raum angeordneter Müll lässt nachvollziehen, wie nahe ihn sein leidenschaftliches Interesse an was auch immer dem Hungertod nahe gebracht hat. </p>
<p>Zuerst die leeren Pizzaschachteln, der Inhalt anfangs offensichtlich noch einigermaßen kulturvoll verzehrt – Messer und Gabel balancieren halsbrecherisch auf der Kanten der Kartons. Dann der Zusammenbruch der Zivilisation: kein Besteck mehr auf den Pizzakartons, leere Pralinenschachteln von 1962 (Quaxlibraxi hasst Pralinen), ein mit den Fingern leer gekratztes Glas Erdnussbutter (Hunger und Verzweiflung müssen hier schon sehr groß gewesen sein, Quaxlibraxis Fingernägel haben unübersehrbare Kratzspuren im Glasinneren hinterlassen). </p>
<p>Schlussendlich ein von Kippen überquellender Aschenbecher, dann ein als Aschenbecher missbrauchter Blumentopf (keine Ahnung, welches Dingsbums vulgaris darin einmal gewachsen sein mag, bevor es von Quaxlibraxi unter Zuhilfenahme totaler Nichbeachtung exekutiert worden ist – wer kommt eigentlich auf die bescheuerte Idee, Quaxlibraxi Pflanzen zu schenken?), dann eine ins Parkett gebrannte Kuhle (ebenfalls als Aschenbecher fungierend – das gemütliche Heim von Dingsbums vulgaris (R.I.P.) war irgendwann auch einmal voll). Zwischendurch Gefäße und gefäßartige Irgendwasse mit schleimigem Kaffeesatz. Ich vermute, Quaxlibraxi hat an diesem Punkt der Geschichte einfach nur noch zertretene Espressobohnen mit lauwarmem Wasser zusammengerührt.</p>
<p>“Höhlenmalerei?”, frage ich ich und deute ein Kopfnicken in Richtung Strichmännchen an.</p>
<p>Quaxlibraxi nickt: “Brandbergmassiv in Namibia.”</p>
<p>Ich schnipse ihm eine Zigarette hinüber. Als er sie sich anzündet, spuckt sein getuntes Feuerzeug eine Flamme aus, die ihm halb das Gesicht versengt und nicht viel von der Zigarette übrig lassen kann. Ich beginne zu begreifen, warum Quaxlibraxi keine Wimpern und Augenbrauen mehr hat.</p>
<p>Er klaubt sich die Fernbedienung für den Beamer aus der Arschtasche seiner Albert-Einstein-Gedächtnishose (nur original, wenn direkt unter den Achseln beginnend) und zappt einige Bilder vorwärts: Auf vergilbtem Untergrund tanzen schwarz (mit roten Auszeichnungen) Buchstaben aus dem Mittelalter.</p>
<p>“Drucke aus dem Mittelalter? Inkunabeln?”, frage ich.</p>
<p>“Genau. Aber du willst wissen, was das mit den Höhlenmalereien zu tun hat?”</p>
<p>Ich lasse meinen Blick noch einmal über die Pizzaschachtel-Aschenbecher-Kaffeetasseninstallation schweifen, der man – zumindest bei den diffusen Lichtverhältnissen dieses maximaljalousierten Zimmers – einen gewissen morbiden Charme nicht absprechen kann. “Genau. Es wäre nett, das zu erfahren, bevor ich den Notarzt, den Psychiater oder den Verfassungsschutz rufe.”</p>
<p>Quaxlibraxi gibt etwas von sich, das ein nach Lachen klingendes Niesen, ein nach Niesen klingendes Lachen, ein misslungener Rülpser oder ein phänomenal lehrbuchartiges Nahezuauswerfen von tuberkulösem Schleim sein kann. Ich werde später darüber nachdenken. </p>
<p>“Ich beschäftige mich mit dem Fluch der geraden Linie”, sagt Quaxlibraxi.</p>
<p>“Das klingt eher nach Psychiater als nach Verfassungsschutz. Gib mir noch etwas Futter, bevor ich mein Mahagoni-iPhone zücke.”</p>
<p>“Schau dir das an!” Wieder zappt er durch Höhlenmalereien, Architektur des 12. Jahrhunderts, Stadtpläne Roms und Reklame für künstliche Nasen von 1917. “Ich will herausfinden, an welchem Punkt die menschliche Rasse dem Wahnsinn der geraden Linie verfallen ist, dem Irrsinn der Perfektion, der in den Abgrund treibenden Idee der Makellosigkeit.”</p>
<p>Die Bilder an der Wand wechseln jetzt mit einer Frequenz, die ein Bewegtbild entstehen lässt, das geistiger Gesundheit nicht förderlich sein kann.</p>
<p>“Ich denke”, sagt Quaxlibraxi, “dass die Menschen bis zu einer gewissen Zeit die Dinge gestalterisch im Vagen, Ungenauen gelassen haben und die Dinge trotzdem schön waren. Schau dir diese mittelalterlichen Drucke an. Alles ist mehr oder weniger schief und bucklig, trotzdem sind sie atemberaubend, oder nicht? Und zu dieser Schönheit kommt Weichheit, kommt Toleranz. Das ist das Entscheidende, die Toleranz. All diese improvisierten Dinge strahlen Anmut aus trotz ihrer offensichtlichen Ungenauigkeit und damit vergeben sie symbolisch auch dem Menschen an sich seine offensichtlich Lichtjahre betragende Entfernung von irgendeiner Form der Vollkommenheit. Verstehst du, was ich meine?”</p>
<p>“So ungefähr &#8230;”</p>
<p>“Und ich will herausfinden, wer den Menschen dann den über Jahrtausende langsam größer und mächtiger werdenden Floh von der geraden Linie, der glatten Fläche, dem digitalen Entweder/Oder ins Ohr gesetzt hat. Wahrscheinlich Euklid oder irgend so eine andere Pfeife. Denn das hat die Kälte in die Welt gebracht, den irrlichternden Wahn von der Machbarkeit und &#8230;”</p>
<p>“Findest du nicht, dass du übertreibst?”</p>
<p>“Nein, schau dich nur um. Alles glatt und gerade, richtig oder falsch, messbar bis zum Atom – und auf der anderen Seite: unsere langsam verrottenden Körper, denen wir ihren Verfall nicht verzeihen können.”</p>
<p>Ich spreche es nicht aus, aber Quaxlibraxi sieht im Moment wirklich ganz schön nach Verfall aus. </p>
<p>“Ich hole uns einen Kaffee”, sage ich.</p>
<p><em>&#8230; to be continued</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=297</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>faraway, so close</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=269</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=269#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 17:13:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=269</guid>
		<description><![CDATA[
Quaxlibraxi hat eine seiner üblichen Panikattacken. Er hat sich in seine Zweitwohnung zurückgezogen (hier ist alles aus Styropor und hat abgerundete Ecken). Sein Körper ist &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/12/jesse_james1.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/12/jesse_james1.jpg" alt="" title="jesse_james" width="687" height="438" class="aligncenter size-full wp-image-310" /></a></p>
<p>Quaxlibraxi hat eine seiner üblichen Panikattacken. Er hat sich in seine Zweitwohnung zurückgezogen (hier ist alles aus Styropor und hat abgerundete Ecken). Sein Körper ist mit Milliarden von Dioden beklebt, Kabel in allen möglichen Farben gehen von ihm ab, als sei er eine in sich zusammengefallene Marionette, sein Apple II gibt in flackernd neongrünem Licht einen detaillierten Überblick über seine Vitalfunktionen.</p>
<p>Ich hasse, wie sich Styropor anfasst und alle Geräusche, die es erzeugt und so bewege ich mich auf Zehenspitzen wie durch vermintes Gebiet. </p>
<p>Quaxlibraxi sieht kerngesund aus, trotzdem schüttelt er unablässig und sorgenvoll den Kopf: &#8220;Wer sagt mir, dass mein Herz nicht aus einer bösen Laune seines widerwärtigen Humors heraus plötzlich entscheidet, stehen zu bleiben oder dass meine Lungenflügel ohne ersichtlichen Grund in sich zusammenfallen oder dass ein Gerinnsel mein Gehirn in ein dadaistisches Feriencamp verwandelt?&#8221;</p>
<p>Ich koche ihm erst einmal einen Kamillentee.</p>
<p>&#8220;Oder dass eine verirrte Kugel aus dem Colt von Jesse James seit 130 Jahren quasi via Ping Pong immer noch durch die Welt ömmelt und just heute durch dieses, meines Schlafzimmerfenster in Dresden Striesen mit letzter Kraft hinein rotiert kommt und mich à la mode du Ambrose Bierce mit all den Bakterien und Viren infiziert, die sie auf ihrem Flug um den Globus eingesammelt hat.&#8221;</p>
<p>&#8220;Du entfernst dich gerade von den Naturgesetzen&#8221;, sage ich.</p>
<p>&#8220;Aber diese Unausweichlichkeit des eigenen Endes ist doch unaushaltbar, das muss man doch mal sagen dürfen!&#8221; Er drückt auf einen Knopf und das EKG-Gerät beginnt erneut zu rattern und Papierschlangen auszuspucken.</p>
<p><em>Abb.: Jesse James</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=269</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>the sun shines out of our behinds</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=251</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=251#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 16:34:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=251</guid>
		<description><![CDATA[
Auf dem sogenannten Airport Dresden International räumt an diesem Sonnabend die Verkäuferin um 14.30 Uhr ihre Ware zusammen: &#8220;Kaffee is´nix mehr!&#8221;, sagt sie, als ich &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/11/segantini_sw.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/11/segantini_sw.jpg" alt="" title="segantini_sw" width="687" height="438" class="aligncenter size-full wp-image-273" /></a></p>
<p>Auf dem sogenannten Airport Dresden International räumt an diesem Sonnabend die Verkäuferin um 14.30 Uhr ihre Ware zusammen: &#8220;Kaffee is´nix mehr!&#8221;, sagt sie, als ich mich gerade innerlich für einen Milchkaffee entschieden habe. Ich hebe die Augenbrauen und denke schnell an etwas ganz Schlimmes, um meinen aufkommenden Ärger zu relativieren. &#8220;Okay&#8221;, sage ich und verschwinde.</p>
<p>Vor dem Flughafengebäude sind die ehemals weinroten Schilder verblichen, als stammten sie aus einem anderen Jahrtausend (mir fällt ein, dass sie das ja tatsächlich tun), und sind mit sexuell inspirierten Zeichnungen versehen. Ich steige auf Kleiner Donner und reite nach Fort Mutschmann hinunter. Ich treffe Professor Quaxlibraxi in einer stadtbekannten, illegalen, unterirdischen Morphiumhöhle. Wir nehmen jeweils einen Kamillentee zu uns.</p>
<p>&#8220;Wie geht´s dir?&#8221;, frage ich.</p>
<p>&#8220;Geht so&#8221;, sagt Quaxlibraxi, &#8220;die Massen von herumlatschenden Menschen mit großen Köpfen und gleichzeitig kurzen Beinen verursachen mir Kopfschmerzen. Ich nehme an, Gendefekt. Und ich traue mich kaum zu atmen, weil ich denke, jedes Kleinstinsekt, das sich todesmutig in die schleimigen Grotten meiner Nasenlöcher stürzt, könnte der reinkarnierte Steve Jobs sein. Sonst geht´s gut.&#8221;</p>
<p>&#8220;Satanovsky mal getroffen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, sieht aus wie seine eigene Leiche zur Zeit. Übrigens, praktisch jede Zigarette enthält anteilig Kinderarbeit.&#8221;</p>
<p>Mir fällt die Gauloises aus dem Mund.</p>
<p>&#8220;Wie in jedem Überraschungsei übrigens auch. Laut WDR.&#8221;</p>
<p>Ich bücke mich nach meiner Zigarette: &#8220;Sonst noch was Neues?&#8221;</p>
<p>&#8220;Die durchschnittliche Penislänge des durchschnittlichen Deutschen wurde von 14,3 auf 15,2 cm korrigiert.&#8221;</p>
<p>Ich blase Rauchwölkchen in die Luft: &#8220;Das schafft jeder stolze Sohn Afrikas nackig am Nordpol und während er an seine Steuererklärung denkt.&#8221;</p>
<p>Quaxlibraxi nickt: &#8220;Eben. Und ich vermute, all die großköpfigen Kleinbeiner messen so ungefähr ab Bauchnabel. Was macht eigentlich dein Roman?&#8221;</p>
<p>&#8220;Läuft ganz gut, jeden Tag eine Seite, wenn ich mich auch gerade ein bisschen wie ein Wesen aus Frankensteins Hobbykeller fühle: der Kopf von Bret Easton Ellis auf dem Körper von Umberto Eco, das Grinsen von David Foster Wallace, die Frisur von Robert Louis Stevenson und die Brille von Stephen King. So ungefähr.&#8221;</p>
<p>&#8220;Ist dir eigentlich aufgefallen&#8221;, fragt Quaxlibraxi, er ist dafür berühmt, von einem Thema zum nächsten zu springen wie kein anderer, &#8220;dass wir Deutschen sowohl für die schnittigsten wie auch die hässlichsten Uniformen verantwortlich zeichnen. Die schnittigsten waren ja die der SS, werden ja in allen möglichen Filmen und von den Modeaffen rauf- und runter zitiert &#8230; Ja und die hässlichsten: Die haben eindeutig die Kollegen von den Dresdner Verkehrsbetrieben. Habe ich jetzt mal wieder einen gesehen, da dachte ich, wo will das Jackett mit dem Mann hin. Kennst du die, diese sackartigen, weinroten Dinger, geschneidert aus alten, rumänischen Pferdedecken &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Kenn ich, kenn ich &#8230;&#8221;</p>
<p>Quaxlibraxi holt etwas aus seiner Tasche und beginnt damit herumzuspielen: ein goldener Revolver.</p>
<p>&#8220;Die Knarre kenne ich doch!&#8221;, rufe ich aus, &#8220;Gaddafis Wunderwaffe in der Kanalisation von Sirte!&#8221;</p>
<p>&#8220;Hab´ich auf Ebay ersteigert. 100% echt, mit Zertifikat.&#8221; Er beginnt, an der Pistole herumzufummeln und ich werde nervös.</p>
<p>&#8220;Ist nur aus Schokolade&#8221;, sagt Quaxlibraxi, pellt die Alufolie ab, steckt den Lauf der Pistole in seinen Mund und beißt ab.</p>
<p><em>Abb.: Segantinis Sterbezimmer</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=251</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Show Me Something Ugly, Show Me Something Pretty</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=210</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=210#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 16:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Daguerreotypie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=210</guid>
		<description><![CDATA[
Geträumt. 
2016. 
Google+ ist Geschichte, Facebook sowieso. Nach der &#8220;Großen Geordneten Insolvenz des Westens&#8221; (G.G.I.D.W.) ist das Internet komplett in chinesischer Hand. Irgendwo liest immer &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/09/daguerre_sw.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/09/daguerre_sw.jpg" alt="" title="daguerre_sw" width="687" height="438" class="aligncenter size-full wp-image-257" /></a></p>
<p>Geträumt. </p>
<p>2016. </p>
<p>Google+ ist Geschichte, Facebook sowieso. Nach der &#8220;Großen Geordneten Insolvenz des Westens&#8221; (G.G.I.D.W.) ist das Internet komplett in chinesischer Hand. Irgendwo liest immer ein Roboter mit, dafür geht technisch so einiges. Professor Quaxlibraxi erwische ich zum Beispiel gerade, wie er mit der Webcam seinen Bauchnabel umkreist. Ich finde das Schauspiel zu interessant, als das ich meine Anwesenheit sofort öffentlich machen möchte. So bleibe ich also hinter den schweren, staubigen Samtvorhängen stehen und beobachte. Dann begreife ich, was mein Freund da tut. Auf dem mitten in den Raum projizierten Screen wird gerade ein überzeugend lebensechter 3-D Avatar hochgezogen. Incl. Hüftgold, Rundrücken und Plattfüßen. Ich will gerade mit leicht tänzelnder Bewegung die Bühne betreten, als ich sehe, wie Quaxlibraxi etwas Seltsames tut. Mit seinen arthritischen Fingern zupft und stupst er an seinem digitalen Doppelgänger herum: hier die Nase etwas kleiner, den Mund weniger schief, den BMI in den 20er-Bereich skaliert, das Haar weniger licht. Am Ende wirkt es, als tanze er um seinen Zwillingsbruder herum – mit dem kleinen Unterschied, dass der etwas weniger so aussieht, als sei er vor einen LKW gelaufen.</p>
<p>&#8220;Quaxlibraxi, du eitler Kerl!&#8221; rufe ich und springe mit einem shakespeareschen Dreifachsalto in die Mitte des Raumes. </p>
<p>&#8220;Wenn ich Saltos sehen will, kuck ich mir den beknackten Klose an&#8221;, murmelt Quaxlibraxi und schließt die Datei. </p>
<p>&#8220;Was soll denn das?&#8221;, frage ich. &#8220;Bist doch ein hübscher Kerl. Hast du doch nicht nötig.&#8221; (der typische Vertreter der Spezies Mensch lügt etwa 27.000 mal am Tag, alles unverzichtbare Notlügen, um Mord, Totschlag und den Zusammenbruch der Zivilisation zu verhindern).</p>
<p>&#8220;Lass mich doch!&#8221;, grummelt Quaxlibraxi. &#8220;Jeder kämmt sich, bevor er aus dem Haus putzt, die meisten putzen sich sogar die Schuhe. Was ich hier mache, ist nicht anderes. Truth Well Told &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ach Quaxlibraxi, dabei war es doch Anspruch der Fotografie und aller folgenden bildgebenden Dingsdabumse, die Wirklichkeit objektiv abzubilden &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Quatsch&#8221;, unterbricht mich Quaxlibraxi. &#8220;Kennst du diese berühmte Daguerreotypie von 1838. Boulevard du Temple. Die erste fotografische Erhaschung menschlicher Wesen gewissermaßen. Wo sich ein einsamer Mann auf einem riesigen, leeren Platz von einem einsamen Schuhputzer die Schuhe putzen lässt. Sonst niemand da, lagen die alle in ihren Betten?! Nein, es hat gewimmelt von Menschen, die Belichtungszeit war nur zu lang für irgendetwas auch nur ansatzweise Bewegtes. Das nennst du objektiv, die Unterschlagung von meinetwegen hundert Menschen, die dort in dieser halben Stunde unterwegs waren? Ich nenne es die völlige Antithese zu Objektivität. Subjektivität wäre noch total untertrieben. Good Night and Thank You.&#8221;</p>
<p>Ich verspreche Quaxlibraxi, über diesen Punkt nachzudenken. Dann wache ich auf.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=210</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Well Barbie, We&#8217;re Just Getting Started</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=195</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=195#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 08:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[David Foster Wallace]]></category>
		<category><![CDATA[Dresden]]></category>
		<category><![CDATA[DVB]]></category>
		<category><![CDATA[Hitler]]></category>
		<category><![CDATA[Hugh Everett]]></category>
		<category><![CDATA[Infinite Jest]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Osama]]></category>
		<category><![CDATA[Parallelwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Quaxlibraxi]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzfahren]]></category>
		<category><![CDATA[Vielwelten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=195</guid>
		<description><![CDATA[
Ich sitze in der 7, auf dem Weg zu XYZ, als Dr. Quaxlibraxi die Bahn betritt. Zusammen mit zwei Typen, die im Unterschied zu ihm &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/08/barbie_sw.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/08/barbie_sw.jpg" alt="" title="barbie_sw" width="687" height="436" class="aligncenter size-full wp-image-224" /></a></p>
<p>Ich sitze in der 7, auf dem Weg zu XYZ, als Dr. Quaxlibraxi die Bahn betritt. Zusammen mit zwei Typen, die im Unterschied zu ihm mit Sicherheit eine tägliche Erinnerung benötigen, in welcher exakten Reihenfolge auf der Toilette das Hochklappen des Klodeckels und die eigentliche Erleichterung stattzufinden haben, umzingelt er die Reisenden: &#8220;Ihre Fahrkarten, bitte!&#8221;, brummelt Quaxlibraxi, ganz ohne mich zu erkennen. Seine Augen fixieren irgendeinen Punkt in der allerfernsten Galaxie. </p>
<p>&#8220;Quaxlibraxi, Quaxlibraxi &#8230; Du hier bei diesen Wegelagerern, die einem die Hand wegschlagen, wenn man 10 Sekunden nach dem Einsteigen seinen Fahrschein knipsen will, diesen in der Wolle gefärbten Gegnern der Unschuldsvermutung!&#8221; </p>
<p>Seine Pupillen beginnen zu rotieren, schalten entfernungsmäßig zurück und fixieren letztlich den Pickel auf meiner Nase – dann erkennt er mich. &#8220;Was soll´s. Von meiner zwölfbändigen &#8220;Kompletten Theorie der elliptisch angeordneten Paralleluniversen&#8221; (aufbauend auf dem Werk Hugh Everetts III.) habe ich im letzten Jahr zwei Exemplare verkauft, in einem der beiden Fälle musste ich den Interessenten mit einem geladenen Revolver von der Notwendigkeit des Kaufs überzeugen. Lange Rede, kurzer Sinn: Davon kann man nicht leben.&#8221;</p>
<p>&#8220;Aber das hier &#8230;&#8221; Ich deute auf seine DVB-Erkennungsmarke von göringschem Prunk, mit Hologramm-3D-Hackfresse, gezacktem Goldrand und allem anderen Schnickschnack. Erneut zuckt er die Schultern. &#8220;Was soll´s, angesichts der Tatsache, dass demnächst (also in etwa 5 Mrd. Jahren) unsere Sonne kollabiert, ist es doch völlig egal, ob ich Kaiser von China, Kloputzer in einem 40 Jahre nicht gewarteten Atomkraftwerk in Nowosibirsk – nichts gegen Nowosibirsk übrigens – oder halt ein Scherge der Dresdner Verkehrsbetriebe bin. Außerdem: Nach der Parallelwelttheorie <em>bin</em> ich ja durchaus in irgendeiner dieser zusätzlichen Welten Kaiser von China und ebenso unausweichlich in einer anderen – offensichtlich der hier – Fahrkartenkontrolleur der DVB.&#8221; </p>
<p>Ich vergesse glatt auszusteigen. Die Jugendstilprachtvillen von Gorbitz gleiten vorbei. </p>
<p>&#8220;Deine Parallelwelttheorie &#8230;&#8221; </p>
<p>Er nimmt mir das Wort aus dem Mund: &#8220;&#8230; bedeutet, dass es nichts gibt, was es nicht gibt – irgendwo da draußen oder wo auch immer. Alles Vorstellbare und vor allem alles <strong><em>Nichtvorstellbare</em></strong>.&#8221;</p>
<p>Schweigen meinerseits.</p>
<p>Quaxlibraxi hat sich neben mich gesetzt. &#8220;Verstehst du? In der einen Welt erschießt Obama Osama, in der anderen ist es umgekehrt. In der dritten Welt ist Osama eine Frau und zwar eine aus Bielefeld, außerdem Teilnehmerin bei Germanys Next Topmodel.&#8221; </p>
<p>Ich setze die Lautstärke meiner Stimme auf ein kaum wahrnehmbares Flüstern herab: &#8220;Heißt das, in einer dieser Parallelwelten hat Hitler den Krieg gewonnen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Allerdings. Mehrfach. In der bekannten Konstellation, parallel aber auch als Verbündeter von Dschingis Khan im Kampf gegen Liechtenstein und Luxemburg. Und natürlich muss es dann auch Orte geben, an denen Hitler das ist, was bei uns Mahatma Gandhi, du weißt schon &#8230; andere Backe hinhalten und so.&#8221;</p>
<p>Ich überlege: &#8220;Aber wenn es nichts gibt, was es nicht gibt: einen schwulen Ronald Reagan, Dynamo Dresden in der Champions League, einen Bestseller von mir &#8230;&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja?&#8221; Quaxlibraxis Augen versuchen, mit ihrem Röntgenblick in mein Hirn vorzudringen. Das muss er erstmal finden.<br />
&#8220;Bedeutet das nicht, dass von allem Existierenden auch die Negation existieren muss? Das heißt, muss nicht das Szenario <strong>Obama erschießt Osama <em>nirgendwo</em></strong>, <em>auch</em> existieren? Und haben wir damit nicht ein schönes Paradoxon?&#8221;</p>
<p>Quaxlibraxi streicht sich über den Kinnbart: &#8220;Darüber sollte ich noch mal nachdenken. Jetzt muss ich aber erstmal raus.&#8221;</p>
<p>Er steht nur noch mit einem Bein in der Bahn, seine Kumpane schon draußen, als er mir etwas zuruft, die Stimme im Luftzug des spätsommerlichen Morgens mit eigenartig verdünntem bzw. zurückgedrehtem Bass: &#8220;Schreib doch drüber! Seit du <em>Infinite Jest</em> gelesen hast, bist du für die Reine-Arisch-Germanisch-Reflektierend-Halbjammernd-sich-zu-Tode-grübelnde-Befindlichkeitsliteratur sowieso verloren.&#8221;</p>
<p>Weg ist er.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=195</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>I Just Wanna Say I Haven&#8217;t Been Away – I Am Still Right Here Where I Always Was</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=158</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=158#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 12:47:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autor werden]]></category>
		<category><![CDATA[Kreatives Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Mehr Bücher als Fitzek verkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller werden]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Fitzek Halloween Maske]]></category>
		<category><![CDATA[Wer meinen Humor nicht versteht]]></category>
		<category><![CDATA[Wie schreibe ich ein Buch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=158</guid>
		<description><![CDATA[
Professor Quaxlibraxi kommt mir entgegen – verpeilt wie immer. Auf seinem T-Shirt steht &#8220;Wir selbst sind es, die unsere Epoche so mittelmäßig machen!&#8221; Professor Quaxlibraxi &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/07/ebrothers.jpg"><img src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/07/ebrothers.jpg" alt="" title="ebrothers" width="688" height="438" class="aligncenter size-full wp-image-207" /></a></p>
<p>Professor Quaxlibraxi kommt mir entgegen – verpeilt wie immer. Auf seinem T-Shirt steht <strong>&#8220;Wir selbst sind es, die unsere Epoche so mittelmäßig machen!&#8221;</strong> Professor Quaxlibraxi ist ausgewiesener Experte für alles und nichts. Keksdosengroße Sony-Kopfhörer führen seinen Ohren finnische Folkore mit 120 Dezibel zu und schützen ihn so vor der Außenwelt. Als er mich kommen sieht, auf dieser regennassen, ins Tal führenden Straße, beschließt er, sich einem Gespräch nicht zu entziehen. Verpeilt wie er nun einmal ist (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen), setzt er sich statt der Kopfhörer seine dicke, schwarze Cerruti-Brille ab und wundert sich, dass er immer noch finnische Folklore hört. Dann begreift er: Cerruti wieder rauf, Sonys runter.</p>
<p>Ich berichte ihm vom (Fast-)Scheitern meines Romanprojekts &#8220;Der italienische Apparat&#8221; und er nimmt mich tröstend in den Arm. Ich sage ihm, dass ich an einer zweiten, völlig anderen Fassung arbeite und er lächelt milde. Wir kommen überein, mit einigen Mythen aufzuräumen, was das Schreiben betrifft. Nur dann zu schreiben, wenn man &#8220;eine Inspiration&#8221; verspüre, sei so ein Scheißmythos (auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen). Auf diese Weise entstünden nur Hugh-Grant-Romane, also solche, die nie fertig werden oder deren Kapitel sich anfühlen, als habe jemand den Kopf eines Wellensittichs auf den Rumpf eines Thunfischs montiert.</p>
<p>&#8220;Erwartet doch nicht, dass euer Buch irgendein Genre neu definiert. Warum nicht bescheiden bleiben und der Welt einfach ein weiteres okayes Buch schenken&#8221;, sagt Quaxlibraxi und hat Recht.</p>
<p>Wir rauchen ein Zigarettchen, Quaxlipraxi bläst einen Totenkopfkringel in die Luft und ich muss an Harry Potter denken.</p>
<p>Damit kommen wir überhaupt zur Frage der Disziplin. Warum glaubt jeder Möchtegernautor, bis mittags schlafen und sich abends wie ein Gorilla auf die Brust klopfen zu dürfen – nur weil er an diesem Tag drei Wörter geschafft hat. Das Pack solle sich einmal ein Beispiel daran nehmen, wie zum Beispiel jede drittklassige Band mit zehn Tagen Studiozeit klar kommen muss. Das heißt: Deadline setzen und einfach machen. Quaxlibraxi lässt dem Totenkopf ein Hello-Kitty-Gesicht folgen.</p>
<p>Der dritte unhaltbare Mythos sei jener von der Segnung des technischen Fortschritts: schickes Laptop = fertiger Bestseller. Da hacke dann jeder seine vergorene Weltanschauung in die Tasten aus Cupertino und spekuliere darauf, die zweite und dritte Fassung so nebenbei mit zu erledigen, denke schon in Absätzen und Druckseiten statt dem geburtsschleimigen Fluss der Story wild und manisch mit Kugelschreiber, Federkiel, Bleistift oder blutendem Zeigefinger auf den Fersen zu bleiben.</p>
<p>&#8220;Ich denke, es ist etwas dran an der These, dass handschriftliches Texten die Türen öffnet zu jenen unverzichtbaren Details und Farben, die unsere Fantasie in unendlicher Fülle bereithält&#8221;, sagt Quaxlibraxi etwas blumig und dann muss er los.</p>
<p>Auf seinem Rücken lese ich: <strong>&#8220;Wer meinen Humor nicht versteht, hat keinen!&#8221;</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=158</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kafka im Keller</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=139</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=139#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 May 2011 15:17:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autor werden]]></category>
		<category><![CDATA[Kreatives Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Mehr Bücher als Fitzek verkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[Roman schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller werden]]></category>
		<category><![CDATA[Sebastian Fitzek Halloween Maske]]></category>
		<category><![CDATA[Wie schreibe ich ein Buch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=139</guid>
		<description><![CDATA[Unter den Schreiberlingen ist traditionell das Wehklagen groß ob der Einsamkeit, die das Schreiben erfordere oder mit sich bringe. Was dabei Ursache und was Wirkung &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/05/franz_kafka1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-142" title="franz_kafka" src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/05/franz_kafka1.jpg" alt="" width="687" height="437" /></a>Unter den Schreiberlingen ist traditionell das Wehklagen groß ob der Einsamkeit, die das Schreiben erfordere oder mit sich bringe. Was dabei Ursache und was Wirkung ist, wird ungern näher analysiert. Die Klage wird üblicherweise vorgetragen im Ton kastratenhafter Weinerlichkeit, gleichzeitig aber maskiert man nur sehr unzureichend, dass man die Einsamkeit natürlich trotzdem und jetzt erst recht für den Ausweis der eigenen elitären Position hält. Mag sein, dass der eine oder andere tatsächlich nur in einem kafkaschen Keller am Ende eines neuntausend Kilometer langen Ganges in der Lage ist, seiner entzündeten Seele ein paar halbwegs vernünftige Worte abzuringen. Überhaupt scheinen die vom Schreiben Besessenen nahezu permanent Idealbedingungen für ihre Kunst einzufordern, die man mit dem Begriff „Utopie“ ziemlich treffend beschreiben kann. Da muss das Licht stimmen, keinerlei Geräusch darf auf das Trommelfell des sensiblen Künstlers treffen (alternativ und unvorhersehbar steht der aber dann auch gern mal vor seiner Musiksammlung und ist sich gewiss, das Überwerk des Jahrtausends mit Gewissheit zu schreiben, würde nur irgendeiner der Musikantentrottel den passenden Inspirationssoundtrack dafür zur Verfügung stellen); Gerüche sind ebenfalls ein großes und schwieriges Thema, der eine bringt keinen Finger auf die Tastatur, solange die Nikotinschwaden noch von zu viel Sauerstoff umhüllt werden, andere bevorzugen den Duft frisch geschnittener Gurke, von Zitronen oder fauligen Äpfeln. Andererseits sollen verzweifelte Helden des Wortes schon in suizidaler Absicht aus ihren Fenstern (im Erdgeschoss) gesprungen sein, weil sie sich von penetrantem Zwiebelaroma beleidigt fühlten.</p>
<p>Da Schreiben nun einmal fast immer ein selbstverliebtes Breitwalzen des eigenen Seelenzustandes ist, hat der Schreiber als biologisches Wesen  (ja, tatsächlich!) seinen ärgsten Feind immer dabei : den eigenen Körper. Da stört jeder Anflug von Kopf-, Bauch-, und Augenbrauenschmerz, jede auch nur halluzinierte Blähung, der Drang zu sexueller Aktivität (in einem von tausend Fällen sogar mit einer anderen Person), eine nicht völlig entleerte Blase, ein nicht völlig entleerter Darm, das Gefühl von Hunger, das Gefühl von zuviel Sättigung, ein Jucken der Nasenspitze, ein fieser Pickel im Ohrläppchen. Die möglichen Ablenkungsmanöver des Körpers gehen in die Milliarden, jede einzelne Körperzelle kann sich an diesen Intrigen beteiligen. Und selbst das Gehirn, dieses biochemisch kontrollierte, seinem Besitzer Autonomie vorgaukelnde Monster, dieses scheinbar der Seele so verbundene, obszön an die Form einer Walnuss erinnernde Ding, liebt nichts mehr als die Gedanken des verzweifelt um Konzentration ringenden Dichters in labyrinthartige und immer weiter von des Pudels Kern hinwegführende Assoziationsketten zu treiben. Was für das Gehirn ein unendlicher Spaß sein muss. Man darf nicht zu müde sein, aber auch nicht zu munter (denn dann will man etwas anderes machen: aufstehen, herumlaufen, lesen, reden, lebendig sein). Es ist also wahnsinnig schwer, diesen perfekten Zustand idealer „Schreibbereitheit“ herzustellen. Kommt dann noch Perfektionismus dazu (eigentlich ja überflüssig, weil die meisten Hobbyautoren dabei sowieso nur verschlimmbessern, gewissermaßen Hundekacke pürieren und damit für genießbarer halten) – dann endet man irgendwann wie James Joyce, schafft sieben Wörter am Tag und weiß dann aber immer noch nicht einmal, in welche Reihenfolge man diese sieben Wörter stellt.</p>
<p>Man muss es ja nicht wie die Amerikaner machen, die das Schreiben für eine derart mechanisierbare Angelegenheit halten, dass sie es sogar Schimpansen beibringen. Aber ein bisschen mehr Robustheit der eigenen Kreativität gegenüber, ist das zuviel verlangt? Das Wort als spontanes, verhandelbares, flexibles Rohmaterial und nicht als heiliges, aus dem Äther herbei geschwebtes Musenteilchen (das sich natürlich trotzdem letztlich als ein Stück der erwähnten Hundekacke herausstellen kann, nur dem Schöpfer selbst gegenüber nicht, der es mit Parfüm beträufelt, in ein Samthöschen steckt und auf den goldenen Sockel stellt).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>to be continued &#8230;<a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/05/franz_kafka.jpg"><br />
</a></em></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=139</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Once Upon The Seas Of Abyssinia</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=114</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=114#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 22 Apr 2011 16:18:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Biutiful]]></category>
		<category><![CDATA[Chesterfield]]></category>
		<category><![CDATA[David Foster Wallace]]></category>
		<category><![CDATA[Fukushima]]></category>
		<category><![CDATA[Holger Stanislawski]]></category>
		<category><![CDATA[Manuel Neuer]]></category>
		<category><![CDATA[Rauchen]]></category>
		<category><![CDATA[Rembrandt]]></category>
		<category><![CDATA[The Philosopher in Meditation]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=114</guid>
		<description><![CDATA[
Ich warte an einer roten Ampel: um die Kurve biegt ein Auto, das mit vier oder fünf gut genährten und grinsenden Erwachsenen gefüllt ist. Ehrlich &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/04/rembrandts_philosopher.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-115" title="rembrandts_philosopher" src="http://www.falkenderlein.de/wp-content/uploads/2011/04/rembrandts_philosopher.jpg" alt="" width="687" height="436" /></a></p>
<p>Ich warte an einer roten Ampel: um die Kurve biegt ein Auto, das mit vier oder fünf gut genährten und grinsenden Erwachsenen gefüllt ist. Ehrlich gesagt sind die so gut genährt, dass ich mir Sorgen mache, ob sie in ihrem Auto noch genügend Luft zum Atmen haben.</p>
<p><strong>80% der Deutschen wissen übrigens nicht mehr, was genau Fukushima eigentlich ist/war.</strong></p>
<p>Dafür dürfen Männer  jetzt offiziell weinen, sogar Fußballer: Manuel Neuer. Holger Stanislawski (vielleicht aber auch nur elektronische Tränendrüsen, japanische oder koreanische oder chinesische)</p>
<p><strong>Vor dem NETTO auf der Königsbrücker stürzt sich ein Betrunkener in den fließenden Gründonnerstagsabendverkehr, einmal, zweimal. Später wird ihn die Polizei einsammeln</strong></p>
<p>Der Typ in der Apotheke vor mir zieht sein Prozacrezept ausgerechnet aus einem Exemplar von David Foster Wallaces &#8220;Infinite Jest&#8221;. Gemeinsam hören wir uns geduldig an, wie die Frau vor uns beiden der Apothekerin weitschweifig die Warze an der Hand ihres Kindes beschreibt.</p>
<p><strong>Ich lese &#8220;Eye Of The Raven&#8221; im englischen Original, weil mir das Cover besser gefällt als das der deutschen Übersetzung.</strong></p>
<p>Ich finde im Internet ein Bild von Rembrandt, das mich an meine unzähligen Träume erinnert, in denen es von versteckten Kämmerchen und windschiefen Treppen nur so wimmelt.</p>
<p><strong>Ich fange wieder zu rauchen an, nur weil mir die neuen &#8220;Chesterfield&#8221; Schachteln so gefallen.</strong></p>
<p><em>Abb.: Rembrandt &#8220;The </em><em>Philosopher in Meditation&#8221; </em><strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=114</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der eigene Roman und die Distanz</title>
		<link>http://www.falkenderlein.de/?p=88</link>
		<comments>http://www.falkenderlein.de/?p=88#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 12:35:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kreatives Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Roman schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.falkenderlein.de/?p=88</guid>
		<description><![CDATA[I think you discover you are a poet; someone doesn&#8217;t walk up to you, tap you on the shoulder and say, &#8216;Excuse me, you are &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>I think you discover you are a poet; someone doesn&#8217;t walk up to you, tap you on the shoulder and say, &#8216;Excuse me, you are a poet.&#8217;</p></blockquote>
<p>Morrissey ist mit seiner Meinung nicht allein, auch Stephen King warnt in seinem – von mir bereits zitierten – „On Writing“ jeden vom Schreiben Besessenen davor, auf irgendein Zertifikat zu warten, das ihm bestätigt, ein „offizieller Schriftsteller“ zu sein. So peinlich unerträglich umgekehrt die Vorstellung sein mag, dass sich zukünftig jeder BOD-Dilettant das Wort „Autor“ auf die Visitenkarte ritzt, so wenig lässt sich wegdiskutieren: kein Kurs für kreatives Schreiben, kein Gremium ranzig riechender alter Männer kann einem bestätigen, was eine Frage der gleichzeitig selbstkritischen und selbstbewussten Reflexion sein sollte, den Punkt zu erkennen, an dem man die Dilettanten hinter sich gelassen hat.</p>
<p>Wiederum Stephen King erwähnt als „Erweckungsmoment“ jene typische Situation, in der man als Leser ein Buch zuklappt und denkt, das könne man selbst besser. Und dann liest man, dieses zugeklappte Buch habe so und so viele Leser gefunden. Da ist man tatsächlich versucht, sich das Wort „Autor“ auf die Visitenkarte zu pinseln und Ausschau nach einem bequemen Elfenbeinturm zu halten – noch bevor man ein einziges Wort geschrieben hat. Erfolgreiche Szenarien dieses „Ich-kann-das-besser“-Impulses sind überliefert. James Fenimore Cooper hätte ohne diesen Auslöser seinen „Letzten Mohikaner“ nie verfasst.</p>
<p>Ein Parameter, den man als designierter Weltschriftsteller aber gern vergisst – wenn man dann wirklich angefangen hat, zu schreiben – ist die unweigerlich verlustig gehende Distanz zum eigenen Werk. So wie kein Musiker seinen Song so hören kann, als wäre er ihm noch nie begegnet, kein Maler sein Bild anschauen kann, als hätte er es noch nie erblickt, so wühlt sich der Schreibende dermaßen tief in das Geflecht von Plot, Charakterisierungen, Nebenhandlungen und Details, dass es ihm unmöglich ist, ein paar Meter zurückzutreten und den ganzen Schlamassel mit einigermaßen neutralen Augen zu betrachten. Keine Ahnung, ob die viel empfohlene mehrwöchige Ruhephase der ersten Fassung eines Romans da Abhilfe schaffen kann. Meine Erfahrung berichtet nur von einem leichten Placeboeffekt.</p>
<p>Am ehesten gelingt es noch, die Qualität der Sprache einzuordnen: Sprachfluss und Rhythmus lassen sich sogar mit halb abgeschaltetem Gehirn beurteilen, so wie man seinem Kind mitunter eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, ohne überhaupt mitzubekommen, worum es eigentlich geht.</p>
<p>Deutlich schwieriger ist es mit dem Personal: Alle Figuren klammern sich an die Rockschöße des Autors, empfehlen bei Überbesetzung jeden zu streichen, nur nicht sich selbst, betonen mit Penetranz ihre eigene farbenprächtige Biografie und deren Unentbehrlichkeit für den künftigen Bestseller. Ein vielstimmiges Geschrei, das an Tinnitus erinnert.</p>
<p>Am allerkompliziertesten erscheint es mir aber für den Autor, eine objektive Position zu Spannung und Tempo einzunehmen. Da er das verdammte Ding schließlich selbst geschrieben hat, weiß er natürlich, was auf der nächsten Seite, auf den nächsten hundert Seiten und am Ende des Buches passiert. Ob Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium hier die Lösung des Problems darstellen könnte, gilt unter Experten als umstritten. Und weil der Autor allwissender Gott ist, passiert es ihm auch nicht, dass er beim Lesen spät nachts voller Neugier noch ein paar Seiten dran hängt. Vielmehr liest er wie empfohlen das eigene Opus nahezu an einem Stück: Lesen unter sterilen Laborbedingungen sozusagen. Vielleicht das kleinste Übel aller Möglichkeiten, aber weit entfernt von der ungetrübten Unwissenheit des fremden Lesers.</p>
<p>Nun könnte man einwenden, ein anspruchsvoller und kritischer Testleser – oder am besten eine Handvoll davon – müssten hier Abhilfe schaffen können. Sicher ist auch das besser als nichts. Aber um zu beurteilen, wie weit man von dem entfernt liegt, was einem ganz am Anfang vorschwebte, als man mit verträumtem Blick dachte „Das kann ich besser“ – da helfen einem auch eine Milliarde Testleser nicht.</p>
<p>Bedeutet das nicht letztlich in einer fast paradoxen Weise: Wer auch immer ein geniales Buch geschrieben hat, er hat es nie ganz erfahren?</p>
<p><em>Abbildung: James Fenimore Cooper – von John Wesley Jarvis, 1822</em></p>
<p><em><a href="http://www.guardian.co.uk/music/2010/sep/03/morrissey-simon-armitage-interview">Morrissey-Zitat: Interview Simon Armitage, guardian.co.uk</a></em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.falkenderlein.de/?feed=rss2&#038;p=88</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

